5 Kommentare
Avatar von User
Avatar von Timogenes

Ja, danke fürs Antworten.

Ihre Quellen sind in erster Linie Verweise auf Vergütungsverfahren und die Kosten der gesetzlichen Krankenversicherung, außerdem sie selbst und "die Bundeswehr". Okay . Dann bleiben wird doch thematisch innerhalb dieses Rahmens. Das verstärkt meinen Hauptkritikpunkt sogar, nämlich daß sie ganz viel implizieren, was die Wirklichkeit nicht hergibt.

Sie argumentieren, dass die Ankündigung, Leistungskürzungen auf Schönwetter-Niveau wären kontraproduktiv. OK. Soweit, so gut.

"Besonders weil der Feind mitliest".

Und ehrlich? Da wird es direkt vollkommen absurd. Ich weiß ja nicht, wie sie, als offensichtlicher Schönwetter-Analyst sich einen Krieg im Jahr 2026 vorstellen. Aber "der Feind" ist nicht auf Selbstauskunft angewiesen. Schon gar nicht die von Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Das ist maximal eine Randnotiz. Ja, Notstromaggregate und Vorratshaltung sind in Krisen lebenswichtig. Doch im Krieg? Sie haben offensichtlich nicht den Hauch einer Ahnung, was das tatsächlich bedeutet. Im Zeitalter von Google Earth, Drohnen und Hyperschallraketen. Die Kernwaffen der nuklearen Triade mal außen vor gelassen. Die Bundeswehr rechnet im Konfliktfall, "im Osten" bei deutscher Beteiligung mit 1000+ Verletzten am Tag, davon ausgehend, Deutschland wäre nicht Kriegsschauplatz.

Nun zum 72 h Blackout auf den sie sich berufen. Bei einem 72h Blackout, also totalen Stromausfall, ist nicht mehr abzusehen, was mit der Zivilisation passiert. Das ist seit über 35 Jahren die offizielle Einschätzung des Katastrophenschutzes und sie basiert auf der realistischen Annahme, dass ein solches Szenario uns angesichts der Abhängigkeit von elektrischer Energie schlichtweg den Zusammenbruch bedeutet und nicht sinnvoll zu kalkulieren ist. Glauben sie, ein Feind wüsste das nicht? Es würde ihm an logischem Menschenverstand mangeln, bloß weil die Versicherungen zu sehr "auf Kante genäht" haben? Wenn Russland attackieren würde, dann garantiert die Stromversorgung zuerst. Auf jeder Straßenkarte eingezeichnet und nicht zu verteidigen. Licht aus. Und dann funktioniert absolut nichts mehr. Was sie hier aufwändig als zu lösendes Problem im Gesundheitsbereich verorten, ist in Wirklichkeit der Zusammenbruch der Zivilisation. So. Dass sie ohne diese Überlegungen sinnvoll zu berücksichtigen ebenso unhinterfragt das "wahrscheinliche Feindbild" Russland übernehmen, ist offen gesagt eine Frechheit. Genau diese Rethorik, die Bundeswehr muss eben realistisch kalkulieren, macht Russland zum wahrscheinlichsten Gegner. Zum Feind. Beim Militär kann ich das noch irgendwie verstehen. Die können ja nichts für die Politik und Berichterstattung, die genau diesen Konfliktfall regelrecht herbeischreiben und reden. Natürlich wächst damit von Tag zu Tag die Gefahr eines bewaffneten Konflikts, dass brauche ich Ihnen nicht zu erklären. Das nennt man auch selbsterfüllende Prophezeiung. Ihre ganze Argumentationsführung ist offen gesagt vollkommen hanebüchen. Es lässt diesen ganzen Wahnsinn, des "was wäre wenn wirklich Krieg wäre", berechenbar erscheinen. Das ist es nicht.

Wenn sie Budgetkürzungen und schlechte Kalkulationen kritisieren- bitte. Mit Recht und nachvollziehbar.

Doch alles was sie hier unhinterfragt als Aufhänger missbrauchen um die dramatische Wirkung zu steigern, entzieht sich ihrem Analysefokus bei Weitem.

Was hier an Investitionen, wirtschaftlicher Planbarkeit und ja, sogar an Notstromaggregaten fehlt, geht seit 4 Jahren in der Ukraine in Flammen auf, auch wenn sie das gekonnt in ihrer Betrachtung ausblenden. Die Krise ist längst real und wir zerstören die Güter und Mittel um mit ihnen umzugehen systematisch. Durch Feindbildaufbau, Abschreckung die nicht funktioniert und fantasievollen Analysen wie dieser hier.

Wenn es einen Krieg gibt, ja dann wohl entweder einen mit Russland oder einen Bürgerkrieg. Das sehe ich wie die Truppe. Nur ich sehe das nicht als gottgegeben an sondern als Ergebnis von Belletristik wie dieser hier.

Diese Kalkulation ist das Papier nicht Wert auf dem sie steht. Entweder, der Fall tritt nicht ein und wir sollten dennoch Krisenmittel vorhalten anstatt sie im Krieg zu verschrotten, oder er tritt ein und dann ist Krieg. Das bedeutet alles ist knapp, alles wird zerstört und umfunktioniert und alles lebenswichtige vom Benzin, zur Butter bis zum Schmerzmittel wird rationiert.

Die Bedingungen werden in jedem Fall schlecht sein. Die Mittel nicht ausreichen. Sich darauf vorzubereiten ist wie beim Sprung von der Klippe einen Helm aufzusetzen.

Ob der dann 80€ oder 400€ gekostet hat wird sich niemand mehr fragen.

Also was wollen sie eigentlich Aussagen? Das man nicht an den falschen Stellen, wie der Daseinsvorsorge und dem Gesundheitswesen sparen sollte?

Das wäre wünschenswert. Diese Weitsicht scheint aber im Bezug auf den prognostizierten Ernstfall leider vollkommen abhanden gekommen zu sein.

Avatar von Marco Woldt

Danke, das ist eine andere Grundannahme als meine, und die respektiere ich.

Sie halten Vorsorge für sinnlos, weil der Ernstfall ohnehin alles übersteigt.

Ich halte genau die Reserve, die eine Schwelle nach hinten verschiebt, für den Unterschied zwischen Belastung und Kollaps.

An dem Punkt trennen sich unsere Wege analytisch sauber. Ich lasse Ihren Einwand gern so stehen.

Avatar von Timogenes

Weitsicht auf AGB Niveau. Man könnte es auch Tunnelblick nennen.

Ich halte ihre Analyse für sinnlos, nicht Vorsorge als solche.

Diese Unterscheidung sollte analytisch sauber noch möglich sein, bevor sie sich in ihr Elfenbein-Schneckenhaus zurückziehen.

Stehen lassen ist nicht restacken. Sie sind ein Schaumschläger erster Güte. Guten Tag.

Avatar von Timogenes

Ein wirklich vor impliziten Annahmen überquellendes Meisterstück der nicht-Information.

Zusammengefasst: Aus militärischer Logik sind Krankenhäuser militärische Ziele.

Das gilt übrigens für alle Anwendungsfälle militärischer Logik auf alle lebenswichtigen Bereiche.

Mit derselben Logik haben die USA Agent Orange auf die vietnamesische Botanik gesprüht und Israel Schulgebäude beschossen.

Was sie hier natürlich einseitig einer "russischen Militärdoktrin" anlasten, wie ein wahrer Propagandaexperte.

Ist das der Grund für Operation Phönix? Der muss ja bekanntermaßen erst zu Asche werden, bis dahin ist er bloß ein gewöhnlicher Vogel.

Sehr einseitiger Artikel, der aus realen Hürden und echten Problemstellungen unterschwellig Feindbilder bastelt und unbelegte Sachverhalte durch Farming und Umkontextualisierung versucht als Tatsachen zu platzieren.

Avatar von Marco Woldt

Danke fürs Lesen. Den Kernpunkt teile ich sogar: Die Logik, lebenswichtige Infrastruktur zu Zielen zu machen, ist nicht russisch, sondern allgemein. Genau deshalb argumentiere ich über Verwundbarkeit, nicht über Schuld. Russland ist hier der konkrete Bezugspunkt für Abschreckung, nicht der Erfinder des Prinzips. Und die harten Punkte sind verlinkt, von der Bundeswehr bis zur DKG. Wer eine andere Lesart hat, gern, aber dann an den Quellen entlang.